Bildunterschrift: Eine fremde Schafherde zu führen schaut einfacher aus, als es ist. (Foto: Erich Kraus)
Wenn Schäfer, Hund und Herde zu einer Einheit werden, ist in Triesdorf wieder Lehrhüten angesagt. Zum 43. Mal treffen sich am Samstag, 12. September 2026, Jung und Alt bei den Landwirtschaftlichen Lehranstalten (LLA) Triesdorf, um das Hütekönnen des Schäfernachwuchses zu verfolgen und gemeinsam einen gemütlichen Tag in Schäferkreisen zu verbringen. Veranstaltet wird das Lehrhüten gemeinsam mit dem Institut für Tierzucht der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und dem Landesverband Bayerischer Schafhalter e.V.
Für die Auszubildenden ist das Lehrhüten weit mehr als ein Wettbewerb. Unter Prüfungsbedingungen müssen sie eine ihnen unbekannte Herde leiten und zeigen, wie sicher sie die Tiere führen können. Dr. Anne Schiborra, Leiterin der Tierhaltung mit Tierhaltungsschule an den LLA, erklärt: „Das Lehrhüten ist ein wichtiger Meilenstein für die Auszubildenden, da sie sich unter Wettbewerbsbedingungen mit ihren Hunden einer fremden Herde stellen müssen. Am Ende des Tages wissen die Auszubildenden, ob sie auf dem Weg zur Abschlussprüfung ‚auf Spur‘ sind beziehungsweise wo sie sich noch verbessern sollten.“
Der Veranstaltungstag beginnt um 08:00 Uhr mit dem Eintreffen der Hüteteilnehmenden. Das Gelände ist ab der Hauptstraße ausgeschildert. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde wird die Reihenfolge ausgelost – dann zieht der Schäfernachwuchs nacheinander mit der Herde los. Dieses Jahr nehmen drei Auszubildende mit ihren Hunden am Hütewettbewerb teil: Rebecca Fähnle aus Königsbronn (Baden-Württemberg), Tim Gackstatter aus Obernzenn (Bayern) sowie Kilian Schlamp aus Neustadt an der Donau (Bayern). Auch für alle Gäste außerhalb der Schäferszene bietet das Lehrhüten spannende Einblicke. Die Leistungen der Teilnehmenden werden fachkundig kommentiert, sodass auch Laien das faszinierende Zusammenspiel von Schäfer, Hund und Herde nachvollziehen können. Dabei wird deutlich, wie viel Erfahrung, Können und Vertrauen hinter der Arbeit mit einer Schafherde stecken.
Freundschaftshüten und feierlicher Schäferabend
Am Samstagmittag folgt ab 13 Uhr das Freundschaftshüten. Dieses ist nicht nur ein sportlicher Vergleich, sondern auch ein beliebter Treffpunkt für ehemalige Auszubildende. Viele Absolventinnen und Absolventen der vergangenen Jahre kehren zu diesem Anlass nach Triesdorf zurück, treffen alte Bekannte und tauschen Erfahrungen aus. Am Abend wird es festlich beim gemeinsamen Schäferabend: Ab 18:00 Uhr ist das Buffet in der Triesdorfer Mensa eröffnet. Um 19:00 Uhr folgen die Hütekritik und die Verteilung der Hütebriefe. Anschließend werden die neuen Schäfergesellen des Prüfungsjahrgangs 2025/2026 feierlich freigesprochen. Ein weiterer Höhepunkt ist die Übergabe des Hütepokals.
Tradition seit 1983
Das Lehrhüten hat bereits eine lange Historie in Triesdorf. Mehr als 200 Nachwuchs-Schäferinnen und Schäfer haben den Wettbewerb bereits absolviert, 1983 riefen der Triesdorfer Schäfermeister Emil Leithner und der Schaffachberater Wolfgang Thomann das sogenannte „Nachwuchsleistungshüten“ ins Leben. Parcours und Bewertung der Hüteteilnehmenden und ihrer Hunde richten sich nach den Vorschriften für das Leistungshüten. Inzwischen ist das Lehrhüten ein verpflichtender Berufswettkampf für alle Auszubildenden in Bayern und zugleich ein beliebter Treffpunkt der Schäfergemeinschaft.
Für das leibliche Wohl am Gelände ist dank der Freiwilligen Feuerwehr Weidenbach ganztägig mit Grillstation sowie Kaffee und Kuchen gesorgt. Die Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf freuen sich auf zahlreiche Besucherinnen und Besucher und einen spannenden Tag rund um Ausbildung, Können, Tradition und die besondere Gemeinschaft der Schäferinnen und Schäfer.