Bildunterschrift: Auch Bezirkstagspräsident Peter Daniel Forster (r.) und Manuela Eppe-Sturm (2.v.r.), die Direktorin der Bezirksverwaltung, haben die Neuankömmlinge bereits in Triesdorf begrüßt. Dr. Anne Schiborra (Mitte), Leiterin der Tierhaltung mit Tierhaltungsschule, freut sich zusammen mit Kerstin und Andreas Smietana von der Schafhaltung über die gute Eingewöhnung der Tiere.
Vor fast 240 Jahren, genau genommen im Jahre 1788 erreichten Merinoschafe aus Spanien Triesdorf. Ziel damals war die Verbesserung der Wollqualität durch Einkreuzen der Merinos in die vorhandenen Landschafrassen. Wolle war zu der Zeit ein teures Gut und die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach hatten ein großes ökonomisches Interesse an der Verbesserung der Wollqualität, die bei den heimischen Rassen, auch auf Grund der harschen Witterungsverhältnisse, relativ grob war und sich nicht für feine Stoffe eignete.
Vor 240 Jahren wurden die Tiere von Nordspanien über die Pyrenäen und Frankreich nach Süddeutschland getrieben. Die Verluste auf dieser langen Reise waren hoch, dennoch erreichten genug Tiere Süddeutschland und Triesdorf, um hier in der Zucht eingesetzt zu werden. Darin liegt der Ursprung der heute in Bayern am weitesten verbreiteten Rasse Merinolandschaf.
Diese lange Tradition wird in Triesdorf weitergeführt und die Schafhaltung Triesdorf ist heute der älteste aktive Zuchtbetrieb für Merinolandschafe. In dieser Tradition reifte die Idee, die Ursprungsrasse wieder nach Triesdorf zu holen, um zu zeigen, wo das heutige moderne Merinolandschaf einmal hergekommen ist.
Zu diesem Zweck reisten zwei Vertreter der Tierhaltungsschule Triesdorf im März nach Spanien, um Kontakte mit dem dortigen Merino-Zuchtverband zu knüpfen und Züchter zu besuchen, um Tiere zur Gründung einer kleinen Triesdorfer Merinoherde auszusuchen. Vor Ort konnten 20 junge weibliche Tier und zwei wunderschöne behornte Zuchtböcke erstanden werden.
Der Transport der Tiere erforderte einigen organisatorischen Aufwand, der dann aber Mitte August belohnt wurde, als die kleine Herde wohlbehalten in Triesdorf eintraf. Diesmal dauert der Weg von Nordspanien nach Triesdorf nur drei Tage, inklusive einer eintägigen Pause für Fahrer und Tiere in Frankreich.
Die Tiere haben sich sehr gut eingelebt und hören mittlerweile auch auf das deutschsprachige Team in der Triesdorfer Schafhaltung. Die Eingewöhnung hat erfolgreich geklappt und die Decksaison wurde bereits eröffnet. Die beiden Böcke leisten den weiblichen Tieren die nächsten Wochen Gesellschaft und die Lehranstalten hoffen auf die ersten Merinolämmer Anfang 2027. Die Herde wird in Reinzucht weitergeführt und nicht mit der bestehenden Merinolandschafherde gemischt. Eine Aufnahme der Triesdorfer Schafhaltung in das Spanische Merinozuchtbuch ist ebenfalls für 2027 geplant.
Die Merinoschafe unterscheiden sich sehr vom heimischen Merinolandschaf. Sie sind sehr viel kleiner, leichter und zarter gebaut. Das Zuchtziel in Spanien ist auf die Wollqualität und -leistung ausgelegt, weniger auf die Fleischleistung. Ein weiterer wichtiger Aspekt in der spanischen Zucht ist die Marschfähigkeit der Tiere, die auf dem Weg zu den Sommerweiden in den Bergen im Norden Spaniens zum Teil hunderte Kilometer zurücklegen müssen. Dafür müssen die Tiere über gesunde Gliedmaßen und Klauen verfügen, Ausdauer haben und mit kargem Futter zurechtkommen.