Vorträge zum Biogastag 2020

21.01.2020

Am 16. Januar 2020 veranstalteten die Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf der 10. Biogastag. Die diesjährigen Themen über die Zukunftsperspektiven von Biogas lockten ungefähr 250 Teilnehmer in das Alte Reithaus nach Triesdorf.

Nach einer kurzen Begrüßung durch den Leiter des Fachzentrums für Energie und Landtechnik, Herrn Bleisteiner, der die Neuerungen am Fachzentrum vorstellte, kam der erste Fachvortrag.

Ungewisse Zukunft

Herr Georg Friedl, vom Fachverband Biogas e.V. stellte den Besuchern in seinem ersten Referat die aktuellen energie- und klimapolitischen Entwicklungen in Deutschland vor. Der Bestand an Biogasanlagen in Deutschland ist nach wie vor konstant. Die Steigerung an Kraftwerksleistung in diesem Sektor ist lediglich der Flexibilisierung des Bestands  geschuldet. Der Bau von neuen Biogasanlagen ist, wie bereits in der Vergangenheit, stark zurückgegangen. So wird für 2019 ein Nettozubau von circa 80 Anlagen prognostiziert. Auch die Möglichkeit von bestehenden und neuen Biogasanlagen am Ausschreibungsmodel teilzunehmen, wird nur sehr zaghaft wahrgenommen. So waren beispielweise die bisherigen Ausschreibungen immer unterzeichnet. Um der Branche eine weitreichende Zukunftsperspektive zu geben, ist es notwendig, dass das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) zielführend novelliert wird. Herr Friedl stellte konkrete Forderungen, die der Fachverband anstrebt, vor. So muss unter anderem das Angebotsvolumen für die Ausschreibungen im Biogassektor nach 2022 weiter ausgebaut werden. Ab dem Jahr 2024 endet zunehmend für viele Betreiber die 20-jährige Laufzeit ihrer Anlagen. Dieses müsse bei dem verfügbaren Volumen berücksichtigt werden. Auch müsse das Ausschreibungsverfahren an sich überarbeitet werden, so Friedl. Weitere Forderungen waren den Einsatz von Abfall- und Reststoffen weiter auszubauen und die Abschaffung oder Erhöhung des so genannten Flex-Deckels. Der Flex-Deckel regelt im EEG, dass ab dem Zeitpunkt, an dem eine flexible Anlagenleistung von 1.000 Megawatt erreicht wird, die Flexibilisierungsprämie für neue Anlagen nur noch eine gewisse Übergangszeit gewährt wird.

Im zweiten Teil stellte Herr Friedl die Ziele des Bayerischen Aktionsprogrammes Energie und die Bayerische Klimaschutzoffensive vor. Als Lichtblick im Energieprogramm könne man vermerken, dass man die rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen wolle, um die 2.500 Bayerischen Biogasanlagen weiter zu betreiben. Durch das Klimaschutzprogramm 2030 auf Bundesebene gibt es auch für Biogasanlagen neue Chancen. So kann sich die Einführung einer CO2-Bepreisung für den Gebäude- und Verkehrssektor positiv auswirken. Auch die Einordnung des Ausbauziels für Biomasse ins Programm lässt sich positiv bewerten.

Gesellschaftliche Akzeptanz schaffen

Impulsvortrag Biogas und Klimaschutz, so betitelte Herr Bleisteiner den zweiten Tagesordnungspunkt und begann mit der zentralen Aussage „Biogas hat nur eine Chance, wenn die Gesellschaft den Nutzen von Biogas erkennt“. In den aktuellen Diskussionen über Klimaschutz kommen immer wieder die alten Forderungen auf, die bereits im Kyoto-Protokoll oder an der Weltklimakonferenz beschlossen wurden. Auch für den Sektor Landwirtschaft gibt es hier spezielle Forderungen, wobei hier nicht Kohlendioxid, sondern viel mehr die Emissionen durch Methan und Lachgas ins Gewicht fallen.

Herr Bleisteiner stellte vor, wie Biogasanlagenbetreiber und Landwirte durch die freiwillige Kompensation von CO2 profitieren könnten, bekannt durch die Kompensation von Flugreisen. Durch die Emissionseinsparung im landwirtschaftlichen Betrieb oder beim Betrieb der Biogasanlage könnten diese grundsätzlich als Zertifikate gehandelt und dadurch eine Wertschöpfung generiert werden. Gesamtbetrieblich ist dieser Ansatz in der praktischen Umsetzung noch herausfordernd. Flächenspezifisch, insbesondere beim Nachweis von Kohlenstoffeinlagerung durch Humusaufbau sind CO2 Zertifikate bereits handelsfähig.

Für die gesellschaftliche Akzeptanz von Biogas gilt es den Gesamtwirkungsgrad z.B. durch eine effizientere Wärmenutzung und ggf. durch die Bereitstellung von Treibstoff (Biomethan) zu steigern. Analog kann durch ein geschicktes Substratmanagement und den Einsatz von Blühpflanzen ein Beitrag zur Biodiversität geleistet werden. Wenn dann das Potenzial bei der Nährstoffbereitstellung für ökologische und konventionelle Ackerbaubetriebe angestrebt wird, welches im Idealfall zum Humusaufbau führt, hätten die Branche gute Argumente geliefert, warum Sie mittelfristig unverzichtbar ist.

Langfristige Zielsetzung für die Landwirtschaft/Biogasproduktion muss es sein aus dem multifaktoriellen Ansatz Ernährung, Klimaschutz, Steigerung der Biodiversität und Energieerzeugung eine Wertschöpfung zu generieren. Somit könne man auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Den Klimawandel werden wir dadurch aber noch lange nicht gestoppt  haben, so Bleisteiner.

Zukünftige Anlagen brauchen ein sinnvolles Wärmenutzungskonzept

Anschließend stellten Herr Wieland und Herr Tröster vom Fachzentrum für Energie und Landtechnik in Triesdorf den Tagungsgästen unterschiedliche Möglichkeiten für den Betrieb von Biogasanlagen nach dem Auslaufen der garantierten Einspeisevergütung durch das EEG vor.

Anhand einer Beispielsanlage untersuchten die beiden Referenten ökonomische Optionen. Eine Option wäre die Produktion und Bereitstellung von Biomethan für den Verkehrssektor. Aufgrund der erhöhten Beimischungspflicht für konventionelle Kraftstoffe, zur Reduktion der Abgasemissionen, steigt die Nachfrage nach biogenen Kraftstoffen in letzter Zeit wieder an. Das Einsparpotential wiederum ist abhängig vom Biogasanlagenkonzept. Herr Wieland erläuterte welche Eckpunkte für die Vermarktung von Biomethan eingehalten werden müssen, um eine Anrechnung der Treibhausgasreduktion zu gewährleisten. Als Zwischenfazit lässt sich aktuell festhalten, dass das wirtschaftliche Risiko bei den einzelnen Optionen noch vergleichsweise hoch ist. Bereits eine kleine Abweichung, beispielsweise beim Quotenpreis der Treibhausgasemissionen, kann große Schwankungen in der gesamten Wirtschaftlichkeit verursachen. Abschließend stellte Herr Tröster nochmals klar, dass zukünftig Anlagen ohne ein sinnvolles Wärmenutzungskonzept nicht mehr wirtschaftlich darzustellen sind. Die Erzeugung von Biomethan, inklusive einer Anpassung des Substratmixes und der Verkauf der Treibhausgasquoten kann hier ökonomisch sinnvoll sein.

 

Herr Dr. Omar Hijazi von der Technischen Universität München erläuterte in seinem Vortrag welchen Anteil Biogasanlagen zum Klimaschutz beitragen. Als Einstieg erinnerte er an die  Auswirkungen des Klimawandels und warum es so wichtig ist, in Zukunft auf die Treibhausgas-Neutralität zu achten.

Biogasanlagen arbeiten CO2 neutral, diese Aussage untersuchte Herr Hijazi im Rahmen des Bayerischen Forschungsprojektes ExpRessBio. Inhalt der Arbeit war es, Ökobilanzen von fünf verschiedenen Biogasanlagen zu erstellen, von der Rohstofferzeugung über die Nutzung von Gas, Wärme und Strom bis hin zur Verwertung der Gärreste. Als Ergebnis ließ sich feststellen, dass alle untersuchten Anlagen bessere CO2- Äquivalenten hatten als der Deutsche Strommix beziehungsweise besser als der Bayerische Wärmemix.

Dennoch ist eine Optimierung bei den Treibhausgasemissionen während des Betriebs, beim Substratanbau und deren Bereitstellung in vielen Fällen möglich.

Mehr Augenmerk auf die Tankstelleninfrastruktur

Über die Regionale Erzeugung und Nutzung von Biomethan referierte Herr Alexy Mozgovoy vom Fachverband Biogas e.V. Nach einem kurzen Einstieg zu den Herstellungsvarianten von Biomethan stellte Herr Mozgovoy klar, warum Biomethan in Zukunft eine stärkere Rolle spielen wird. Als gesellschaftliche Ziele sind hier unter anderem der Klimaschutz, die Decarbonisierung der Wirtschaft und die Minderung von lokalen Emissionen zum Beispiel in Großstädten zu nennen. Allein der Vergleich der Ökobilanz verschiedener Kraftstoffe zeigt, dass Biomethan mit einem CO2 Ausstoß von nur 5 g/km um ein vielfaches niedriger ist wie beispielsweise Benzin, welches einen Wert von 164 g/km hat. So könne Biomethan vergleichbar niedrige Werte im Verkehrssektor erreichen wie die Elektromobilität bei hundertprozentiger Nutzung von Ökostrom.

Pro Jahr werden in Deutschland derzeit circa 10.000 Gigawattsunden Biomethan eingespeist, wovon momentan lediglich 400 Gigawattstunden im Verkehrssektor Verwendung finden. Ein limitierender Faktor derzeit ist die zu kleine Tankstelleninfrastruktur im Biomethanbereich. Hierauf müsse in Zukunft verstärktes Augenmerk gelegt werden. Es wäre denkbar, an  bestehenden Biogasanlagen lokale „Hofbiogastankstellen“ zu errichten, wodurch eine Vermarktung direkt an den Endverbraucher möglich wäre. Allerdings sind bei diesem Modell nicht alle Anlagenstandorte geeignet. Zudem dürfen die hohen Investitionskosten in eine Biomethanaufbereitungsanlage nicht außer Acht gelassen werden. Aus diesem Gesichtspunkt ist es ein angemessener stabiler Treibhausgasquotenpreis eine Grundsatz-voraussetzung für die langfristige wirtschaftliche Betriebsweise einer solchen Anlage.

Dass Biomethan nicht nur im Personen- und Güterverkehr eine Rolle spielt stellte Herr Dominic Hesse von der CNH Industrial Deutschland GmbH bei seinem Referat Biomethan als Kraftstoff für Traktoren heraus.

CNH stellte auf der Agritechnica 2019 den ersten marktfähigen Biomethanschlepper vor, welcher ab Ende 2020 auch im Handel erhältlich ist. Immer niedrigere Emissionsgrenzwerte bei den Motoren führten letztendlich zu diesem Entwicklungsschritt. Im Nutzfahrzeugprogramm von IVECO, welcher ebenfalls zum CNH-Konzern gehört, seien schon seit 1997 Methangasmotoren im Programm. So war die Entscheidung leicht, diese Antriebsform für den Traktorenbereich weiter zu entwickeln. Da an einen Schleppermotor andere Anforderungen wie an einen LKW-Motor gestellt werden, waren diese Weiterentwicklungen unabdingbar.   Als Zielgruppe sieht CNH neben Betreibern von Biogasanlagen, Kommunalbetriebe und Sonderkulturbetriebe, beispielsweise Gemüsebau, welche durch den näheren Kontakt zum Verbraucher einen Imagegewinn haben können.

Gesetzliche Änderungen

Nachmittags wurden die Anwesenden traditionell vom Fachverband Biogas über die  neuesten gesetzlichen Änderungen informiert. Diesen komplexen Teil übernahm Herr Manuel Maciejczyk vom Fachverband. Anfangs erläuterte er die derzeit diskutierten Änderungen im Bereich der TA-Luft und in der AwSV und welche Konsequenzen daraus für die Betreiber resultieren könnten. Derzeit sei aber noch unklar, welche Änderungen in diesem Bereich kommen werden.

Anderes sei dies bei der neuen 44. BImSchV diese ist bereits in Kraft getreten und fordert unter anderem für neue und alte Blockheizkraftwerke nach einer Übergangsfrist niedrigere Abgasgrenzwerte. Diese Grenzwerte sind bei vielen Anlagen nur durch zusätzliche Einbauten, wie zum Beispiel SCR-Katalysatoren, zu erreichen. Zusätzlich müsse eine dauerhafte Einhaltung der NOx-Grenzwerte sichergestellt und dokumentiert werden.

Ein weiteres Thema war die TRAS120, welche die technischen Regeln zur Anlagensicherheit regelt. Diese ist als Verwaltungspapier zwar kein unmittelbares Recht, es bleibt aber abzuwarten, wie die einzelnen Landesbehörden diese Regelungen in der Praxis umsetzen und einfordern. Der Fachverband Biogas e.V. stellt seinen Mitgliedern eine Arbeitshilfe für die Umsetzung der Regelungen zur Verfügung, hierin wird auf alle geforderten Aspekte eingegangen.

Herr Maciejczyk zog als Fazit, dass die aktuelle Klimaschutzdebatte für die Biogasszene Fluch und Segen zugleich sei. Man könne daraus profitieren aber nicht ohne zusätzliche Investitionen.

Herr Friedl informierte über die aktuellen Registrierungs- und Nachweisplichten, welche die Anlagenbetreiber aktuell beachten müssen. Zudem wies er darauf hin, dass das Ausbauziel für die Flexibilitätsprämie erreicht wurde und nun neue Projekte nur noch in einer kurzen Übergangsfrist realisiert werden könnten. Abschließend stellet er klar, dass nun die Frage bezüglich der Inanspruchnahme des Luftreinhaltebonus geklärt wurde. Dies führte in der Vergangenheit immer wieder zu Verunsicherungen.

 

Der diesjährige Biogastag hat gezeigt, dass durchaus Zukunftsperspektiven für die Branche zu sehen sind. Hierzu müssen aber die rechtlichen Weichenstellungen geregelt werden und gesetzliche Hürden, die eine stärkere Nutzung von landwirtschaftlichen Reststoffen verhindern, abgebaut werden.

 

Hans-Jürgen Frieß

Fachzentrum für Energie und Landtechnik Triesdorf

Biomethan regional erzeugen und verbrauchen

Klimaschutzprogramm

New Holland Methangastraktor

Themen Mitgliederservice Fachverband Biogas

Was tragen Biogasanlagen zum Klimaschutz bei Biogastag

Wichtige gesetzliche Neuerungen