Unternehmertag für Schweinehalter 2021

15.02.2021

Coronabedingte Online-Premiere beim traditionellen Triesdorfer Schweine-Unternehmertag

Mit über 120 Teilnehmer*innen waren die Organisatoren vom Fachzentrum für Schweinezucht und -haltung am Ansbacher Landwirtschaftsamt und die Tierhaltungsschule sehr zufrieden, da die erreichte Zielgruppe deutlich größer als bei vergangenen Präsensveranstaltungen im Alten Reithaus war. 

Friedrich Steinacker, der Leiter des Fachzentrums informierte über die Verwerfungen im Schweinemarkt und die daraus resultierenden katastrophalen Folgen für die Schweinehalter. Verschärft wurde diese Lage durch das Auftreten der Afrikanischen Schweinepest an der polnischen Grenze, wodurch erhebliche Handelsbeschränkungen entstanden, die einen beispielslosen Schweinepreis-Einbruch zur Folge hatten. Eine wirtschaftliche Schweinehaltung oder gar neue Investitionen ins Tierwohl wurden dadurch aktuell sehr schwierig.

Wie kann es weitergehen

Passend zu dieser Marktlage referierte Ministerialrat Peter Rahbauer vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium zum Thema „Schweinehaltung in Bayern – wie kann es weitergehen“.

Er informierte dabei über die anstehenden Änderungen in der Tierschutz-Nutztierhaltungs-Verordnung. Insbesondere Ferkelerzeuger stehen hierbei vor besonderen Herausforderungen durch die zukünftig geforderten Änderungen im Flächenbedarf in den Deck- und Abferkelbereichen. Daraus resultierende Baumaßnahmen stoßen oft auf Genehmigungsprobleme und sind bei den derzeitigen Marktverhältnissen wirtschaftlich nicht zu tragen. Trotz aktueller Fördermöglichkeiten erwartet der Experte aus dem Ministerium einen großen Wandel in der bayerischen Schweinehaltung,  

Auch in Triesdorf wurden in der Tierhaltungsschule in Kooperation mit dem Ansbacher Landwirtschaftsamt zwei Lehrgänge „Ferkelbetäubungs-Sachkunde“ angeboten

Neu im Triesdorfer Lehrgangsangebot war 2020 der Lehrgang „Ferkelbetäubungs-Sachkunde“: Herr Rahbauer informierte weiterhin über den aktuellen Stand beim Kastrieren. Da ab dem 01.01.2021 die betäubungslose Kastration verboten ist, musste jeder Schweinehalter, der die Tiere selber mit Isofluran betäuben will, einen solchen Lehrgang absolvieren. Ca. 900 Teilnehmer*innen absolvierten in Bayern im letzten Jahr diesen Sachkundekurs in Bayern. Auch in Triesdorf wurden in der Tierhaltungsschule in Kooperation mit dem Ansbacher Landwirtschaftsamt zwei Lehrgänge „Ferkelbetäubungs-Sachkunde“ angeboten.

Wenige Ebermast- und Improvec-Betriebe

Insgesamt entschieden sich ca. 60 % der bayerischen Betriebe für den Isofluranweg, ca. 30% wählten die Injektionsnarkose durch den Tierarzt und ca. 10% haben sich noch nicht entschieden. In Bayern gibt es darüber hinaus nur sehr wenige Ebermast- und Improvec-Betriebe.

Als Fazit forderte Herr Rahbauer,

  • ein hohes Tierschutzniveau für alle Nutztiere,
  • das Bau- und Umweltrecht muss dem Ziel Tierwohl untergeordnet werden,
  • die Kriterien für Tierwohl-Kennzeichnung sind in praktikablen und machbaren Stufen festzulegen,
  • eine Nutztierstrategie, die schnell gefasst und von der Gesellschaft und den Beteiligten möglichst breit mitgetragen wird und v. a.
  • möglichst viel Planbarkeit, Verlässlichkeit und Vertrauen für und gegenüber den Schweinehaltern

Nach der Beantwortung von erfreulich vielen Chatfragen referierte als Nächster Dr. Ralf Zechmeister, der Leiter des Veterinäramtes Ansbach, über die Afrikanische Schweinepest. Er empfahl als Vorbereitung für den Ernstfall die Teilnahme an der freiwilligen ASP-Statusuntersuchung.

Als Vorteile dafür nannte der Experte die Erleichterungen beim Verbringen von Schweinen im Falle eines ASP-Ausbruchs bei Wildschweinen. Bei einem bestehenden ASP-Status werden keine zusätzlichen Beprobungen und keine Laboruntersuchungen auf den ASP-Virus zur Verbringung nötig, wodurch eine leichtere Vermarktung von Schweinen aus Betrieben aus dem gefährdeten ASP-Gebiet die Folge wäre.

In einem Kalkulationsbeispiel zeigte er die günstigen Kosten für diesen Statusuntersuchungen auf, auch die Triesdorfer Schweinehaltung bereitet sich aktuell in diesem Modell für den Notfall vor.

Im abschließenden Referat verdeutlichte Norbert Schneider, ein ehemaliger Triesdorfer Technikerschul-Studierender vom Institut für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft die Nährstoffproblematik der Betriebe, die durch die neue und bereits wieder verschärfte Düngeverordnung entsteht. Er zeigte die Auswirkungen der Gebietseinteilung in rote und gelbe Bereiche und die daraus u.U. entstehenden Beschränkungen bei der Ausbringung von Gülle bzw. erhöhten Anforderungen an die Güllelagerkapazität. Er stellte verschiedene Reaktionsmöglichkeiten der Schweinehalter vor: Neubau von Güllebehältern und Erdbecken über Pacht von Güllelagerraum bis zur Abstockung des Bestandes vor. Diese bewertete er ökonomisch in Beispielsrechnungen.

Nach drei Stunden online-Videokonferenz beendete Uwe Mohr, der Leiter der Tierhaltungsschule die Veranstaltung mit der Zusammenfassung der drei Vorträge. In seinem Schlusswort erinnerte er an die systemrelevante Leistung der Landwirtschaft bei der Lebensmittelversorgung während der Corona-Krisenzeit. Für die Nutztierhalter keimte zeitweise die Hoffnung auf größere Wertschätzung durch die Gesellschaft auf.