Es muss nicht immer Soja sein

23.07.2020

Im Rahmen einer Bachelorarbeit an der HSWT wurde in Zusammenarbeit mit der Tierhaltungsschule ermittelt, ob sich Weiße Lupinen zur Fütterung von hochleistenden Milchkühen auch ohne Aufschlussverfahren eignen. In einem Fütterungsversuch mit laktierenden Milchkühen wurde überprüft, ob der Einsatz dieser Lupinenart als Eiweißkomponente statt den üblichen Soja-/Rapsprodukten vergleichbare Leistungen ermöglicht.

Diese Prüfung bot sich aus dem Grund an, da die Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf seit einigen Jahren die Weiße Lupine auf Anthraknosetoleranz züchten. „Die Weiße Lupine ist bitterstoffarm, hat ein höheres Ertragspotential, liefert höhere Eiweißgehalte bei besserer Platzfestigkeit der Hülsen, eignet sich für alle Bodenarten ohne Staunässe und ist aufgrund ihrer Pfahlwurzel unempfindlicher gegen Sommertrockenheit“, erklärt Markus Heinz, Leiter der Abteilung Pflanzenbau und versuchswesen. Im Jahr 2019 bekamen zwei Liniensorten (Frieda und Celina) aus dem Triesdorfer Zuchtprogramm ihre Zulassung beim Bundessortenamt. Es war der Anlass zu prüfen, ob sich Weiße Lupinen zur Fütterung von hochleistenden Milchkühen auch ohne Aufschlussverfahren eignen.

In einem Fütterungsversuch mit 48 Milchkühen der Rasse Fleckvieh des Milchgewinnungszentrums wurde der Einsatz von nicht behandelten weißen Lupinen ohne Akzeptanzprobleme bzw. Leistungsminderung überprüft. Die Kühe wurden unter Berücksichtigung der Laktationsnummer, des Laktationstages und der täglichen Milchmenge in zwei gleiche Gruppen eingeteilt. Die Kühe wurden in einem Offenfrontlaufstall mit Tiefboxen gehalten und zweimal täglich in einem Fischgrätmelkstand gemolken. Die Milchmengen wurden täglich und die Milchinhaltsstoffe wöchentlich erfasst.

Während des Versuches kam es zu keinen Auffälligkeiten hinsichtlich Futteraufnahme bzw. Tiergesundheit und die erfassten Leistungsparameter entsprachen den erwarteten Werten. Die Bitterstoffe der Weißen Lupinen hatten auch bei Versuchsbeginn keinen nachteiligen Effekt auf den Kraftfutterverzehr.

 Die Gruppe Lupine erreichte eine mittlere Milchleistung von 30,28 kg im Vergleich zur Soja/Raps-Gruppe mit 31,40 kg. Zusätzlich wurde die Futtereffizienz (ausgewertet. Auch hier erreichten beide Gruppen mit nahezu identische Werte. Ebenso konnten bei den Laktose- und Harnstoffgehalten sowie der Zellzahl keine Unterschiede zwischen den Gruppen ermittelt werden.

Der Einsatz von Weißen Lupinen ohne thermischen Aufschluss bis zu 1,5 kg je Tier und Tag in der Fütterung von Milchkühen ermöglicht durchaus hohe Milchmengen mit überdurchschnittlichen Inhaltsstoffen bei Fleckviehkühen. Limitierend könnte in manchen Rationen der geringe UDP-Gehalt der Weißen Lupine sein, wobei der UDP-Anteil bei der im Versuch eingesetzten Sorte hoch war. Zu beachten ist der geringe Gehalt an schwefelhaltigen Aminosäuren in Lupinen, was im Versuch durch den Einsatz von Rapsextraktionsschrot in der Teil-Mischration ausgeglichen werden wurde.

„Vor allem bei eigenem Anbau ist die Fütterung an Milchkühe aufgrund des hohen Futterwerts der Lupine für Wiederkäuer durchaus als sinnvoll zu bewerten. Bei heimischem Anbau ist diese eine gute Proteinergänzung für gentechnikfreie Milchviehrationen“, fügt Markus Heinz hinzu. Wichtig dabei ist die ständige Kontrolle der Nährstoffgehalte von einzelnen Partien des Futtermittels, um eine bedarfsgerechte Fütterung zu gewährleisten.