Einführung Weidehaltung bei den Melkroboterkühen

24.04.2018

Was für viele Verbraucher als eine Selbstverständlichkeit erscheint, ist für die Triesdorfer Rinderhaltung ein spannendes Projekt.

Ab diesem Sommer dürfen die Kühe des Melkroboterstalls auf die Weide. Dazu wird das Zauntor an der Stallseite zur Ornbauer Straße hin geöffnet und ein Durchgang auf eine 4 ha große Grünlandfläche geschaffen.

„Die Melkroboterkühe sollen die Möglichkeit haben, bei geeigneten Bedingungen dort Weidegang zu genießen“, erklärt Uwe Mohr, Leiter der Tierhaltungsschule. Ziel sei es erstmals zu untersuchen, wie ein Melkroboter, ein Fütterungsroboter und Weidegang zusammen funktionieren.

Die Kühe können rausgehen, mehr Bewegung haben, das Sonnenlicht genießen und Gras fressen. Der Hauptfütterungsbereich und das Melken sind weiterhin im Stall. „Wir lassen das langsam angehen“, sagt Mohr, „die Frage ist, wie die Kühe reagieren: Werden sie freiwillig rein- und rausgehen, muss man nachtreiben, sodass sie zum Melken kommen, oder bleiben sie sogar lieber im gut klimatisierten Stall“.

Das alles sind Aspekte, die zu klären sind, schließlich handelt es sich bei den Triesdorfer Kühen um eine Hochleistungsherde. Da stellt sich die Frage, wie die Möglichkeit des Weidegangs sich die Milchleistung aber auch das Tierverhalten auswirkt.

Uwe Mohr hofft, dass der Melkroboter für die Tiere interessant genug ist, dass sie wieder in den Stall zurückgehen. Ist dies nicht der Fall, „ bauen wir am Ausgang zur Weide eine Tiererkennung ein und Tiere, die lange nicht beim Melken waren, werden zuerst zum Melkroboter geschickt. Oder es werden nur die auf die Weide gelassen, die frisch gemolken sind“.

Zwei Aspekte haben die Triesdorfer Rinderhaltung bewogen, die Weidehaltung wieder auszutesten: Zum einen natürlich das Tierwohl insbesondere die Verbesserung der Klauengesundheit, aber auch die Nachfrage der Praxis nach Informationen. „Es sind aktuell bundesweit und regional sehr unterschiedlich nur rund 10 – 25 % der Milchkühe in Weidehaltung. Aber das Thema wird in der Praxis derzeit wieder mehr diskutiert“.

In Triesdorf sollen Erfahrungen gesammelt werden, die an die Auszubildenden, Schüler, Studenten, Landwirte und Besucher weitergeben werden. „Bei Sonnenschein werden die Kühe lieber im Stall bleiben und den Schatten genießen“, schätzt Uwe Mohr. „Die große Frage ist, wie die Tiere auf die neuen Möglichkeiten reagieren werden und welche Unterschiede sich zur bisherigen Stallhaltung ergeben“.

Interessant wäre auch die Überwachung des Verhaltens der Kühe auf der Weide. „Ein Kuh-Navisystem wie derzeit im Stall befindlich würde uns verraten können, wie oft, wie lange und wann die Kühe dort zum Beispiel laufen und liegen und von welchen äußeren Bedingungen dies abhängig ist“.

Aber das ist noch alles Zukunftsmusik.