Eine bunte Truppe

24.04.2021

Beim neuen Triesdorfer Landhuhn dürfen beide Geschlechter gleichberechtigt aufwachsen

„Es gackert wie in einem Hühnerhaufen“ ist im Triesdorfer Mobilstall derzeit allzu wahr. Da ist ein fröhliches Hin und her und auf und ab mit entsprechender Geräuschkulisse. Die Tiere sind zutraulich und neugierig. Vielleicht mag diese relaxte Situation an der Koedukation der Triesdorfer Landhühner liegen. Denn hier werden Junghahn und Junghenne gemeinsam aufgezogen.

Das ist das Besondere an der neu gezüchteten Rasse des Triesdorfer Landhuhns, denn beide Geschlechter haben den gleichen Stellenwert. Die Rasse glänzt durch Hennen mit zufriedenstellender Legeleistung und die Hähne eignen sich nach einigen Monaten zum Verzehr. Die Legeleistung der Hennen beträgt ca. 200 Eier pro Jahr, die Hähne erreichen nach 3 – 4 Monaten ein Schlachtgewicht von 1,4 – 2 Kilogramm. Mehrere Rassen wie Bresse, Sulmtaler und Italiener wurden gezielt miteinander gekreuzt, später kamen noch Sundheimer und Rhodeländer mit zum Einsatz.

Lang geplante Züchtung

Schon im Jahr 2014 entschieden sich die Landwirtschaftlichen Lehranstalten an der Zucht eines Zweinutzungshuhns zu arbeiten. „Die Öffentlichkeit fordert zunehmend eine tiergerechte und nachhaltige Tierhaltung“, erklärt Frank Kötzel, Leiter der Triesdorfer Geflügelhaltung. „Gerade das Küken töten hat die Menschen sensibilisiert und wir wollten Möglichkeiten suchen, das zu verhindern“. Das Töten der männlichen Eintagsküken soll ab 1.1.2022 endgültig verboten werden.

Verschiedene Selektionskriterien

In Triesdorf waren dazu alle Möglichkeiten gegeben, da die Triesdorfer Geflügelhaltung deutschlandweit der einzige Ausbildungsbetrieb ist, der eine umfassende Datenerhebung jeder einzelnen Zuchthenne realisieren kann. „Nach festgelegten Kriterien wie Eizahl je Monat, Eigewicht, Schalenqualität und Vitalität haben wir die besten Hennen ermittelt und für die Zucht eingesetzt“ erklärt Frank Kötzel. „Dieses individuelle System wird durch Transpondertechnik und EDV unterstützt, so dass wir auch die Abstammung der Küken nachvollziehen können“. Durch die Weihenstephaner Muldennester lässt sich somit ermitteln, welche Henne welches Ei gelegt hat.

Das Triesdorfer Landhuhn ist eine sehr junge Rasse. Daher können Leistungen und Merkmale in ihrer Ausprägung noch schwanken. „Wir haben hier den Anfang einer neuen Rasse, die jetzt schon mit vielen positiven Eigenschaften überzeugen kann“.

Blaue Füße als Markenzeichen

Zuallererst ist die Rasse sehr bunt: schwarze, braune oder weiße Hühner mit unterschiedlicher Zeichnung halten sich die Waage, auffällig sind die bläulichen Füße. Der Federschopf am Kopf sorgt für eine ansprechende Optik. „Das ist wichtig bei Direktvermarktung“, sagt Frank Kötzel, denn der Verbraucher möchte ein ansprechendes Tier sehen. „Rückmeldungen von Praktikern, die schon 2020 Küken oder Bruteier von uns bezogen haben, sind durchwegs positiv. Es wird nicht nur der Schlachtkörper und die Legeleistung gelobt, sondern auch die Farbenvielfalt und der kleine Schopf am Kopf. Damit hebt es sich optisch deutlich von gängigen Hybridhühnern ab“.

Landwirtschaftliche Struktur angestrebt

Die Planungen für das Triesdorfer Landhuhn sind langfristig angelegt, denn Ziel ist, es auf Dauer als eigenständige, reine Rasse zu züchten, sodass Hühnerhalter auch selbst weitervermehren können. Die Lehranstalten bilden hierzu vor allem die Ursprungs- und Basiszucht. „Angestrebt wird eine landwirtschaftliche Struktur, die selbst Elterntiere hält, Brut- und Speiseeier erzeugt, brütet und aufzieht“, erklärt Frank Kötzel. Das müsse nicht ein einzelner Betrieb sein, der alle Stufen bearbeitet. „Unsere Vision ist ein Netzwerk vieler Teilnehmer, die am Ende Eier und Fleisch vermarkten. Das Triesdorfer Landhuhn soll somit in eine landwirtschaftliche Nutzung gebracht werden. Natürlich stellt es auch für den wachsenden Kreis der Selbstversorger eine attraktive Bereicherung dar“.

Bereits 2020 konnten die ersten Bruteier und Küken angeboten werden. Durch das Bekanntwerden der neuen Rasse stieg das Interesse sprunghaft an, sodass nicht alle Bestellungen befriedigt werden konnten.