Ein Interview zum Biodiversitätstag der Kommunen

07.11.2019

40 Bürgermeister aus der Metropol Nürnberg haben den Biodiversitätstag in Triesdorf besucht. Dazu kamen Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde und Landschaftspflegeverbände. Nach den ersten Vorträgen entwickelte sich schnell eine sehr intensive Diskussion zwischen den Teilnehmern. Markus Heinz, Leiter der Abteilung Pflanzenbau und Versuchswesen hat die Ergebnisse zusammengefasst.

Warum ging es genau am Biodiversitätstag?

Markus Heinz: Die Kernpunkte waren, dass man sich grundsätzlich mal dem Thema Biodiversität widmet. Es geht ja nicht nur um die Biene, sondern auch um viele andere Insekten. Wie kann ich in der Bewirtschaftung kommunaler Flächen Veränderungen vornehmen, sodass ich diese zwar pflegen kann, aber gleichzeitig Rückzugsorte und Nahrungsquelle für Insekten hervorbringen kann.

Was war das Ziel der Veranstaltung?

Markus Heinz: Wir haben schnell gemerkt, dass die meisten Entscheidungsträger gar nicht wissen, wie sie an dieses Thema herangehen sollen. Dazu kommen die neuen Verordnungen, die verstanden und umgesetzt werden sollen. Gleichzeitig stehen die kommunalen Entscheidungsträger unter erheblichen gesellschaftlichen Druck, wenn Pflegemaßnahmen auf öffentlichen Flächen durchgeführt werden.

Welche Themen wurden bearbeitet?

Markus Heinz: Ein Thema war natürlich Streuobst, weil es in Triesdorf das Inwertsetzungsprojekt Streuobst gibt. Viele Kommunen haben Streuobstwiesen - auch als Biotop, das ein wichtiger Rückzugsort für verschiedenste Tiere und Insekten ist. Ein weiteres Thema waren Grünanlagen, das heißt, wie kann man Grünanlagen zukünftig pflegen und trotzdem Rückzugsorte für Insekten schaffen. Hier kann man einfach stufenweise mähen bzw. einzelne  Flächen gezielt stehen lassen.

Welche Probleme kommen auf die Kommunen zu?

Markus Heinz: Natürlich kam sofort der Einwurf, was machen wir mit dem Mähgut? Das ist eine ungelöste Frage, denn das ältere Gras, das nur einmal im Jahr gemäht wird, muss auch entsorgt werden. Wie das vonstattengehen soll, ist für die Kommunen ungeklärt und bringt deshalb heftige Diskussionen. Außerdem entstehen Kosten, die zum jetzigen Zeitpunkt nicht abgeschätzt werden können, da je nach Belastung des Materials unterschiedliche Entsorgungswege bestritten werden müssen.

Welche Maßnahmen können ergriffen werden?

Markus Heinz: Dazu hat Triesdorfs Imker, Tobias Nett einige Antworten geben können. Bei den Grünflächen sollte die Zielsetzung sein, dass wir eine ganzjährige Blühtracht haben, die man vorwiegend mit Stauden umsetzen kann. Diese Pflanzen blühen von April bis Oktober und bieten damit Nahrungsquelle oder Rückzugsort für die Insekten.

Natürlich müssen kommunale Flächen auch weiterhin gemäht werden, vor allem in den Bereichen die für die Verkehrssicherung notwendig sind. Jedoch können an Straßenrädern und auf Grünflächen innerorts gezielt Teilbereiche stehen bleiben, die dann Rückzugs- und Überwinterungsort für Insekten sind und gleichzeitig einen gepflegten Eindruck hinterlassen.  

Wie kann man den Bürgern die Maßnahmen zeigen, um sie weiter zu sensibilisieren?

Markus Heinz:  Meist ist es so, dass vielerorts bereits eine Vielzahl an Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt und Biodiversität umgesetzt werden, sei es von Privatleuten oder den Vereinen. Jedoch werden diese Aktionen nur selten durch eine breite Maße der Bevölkerung wahrgenommen.

Eine Möglichkeit wären kurze YouTube-Sequenzen, um Themen in diesem Bereich vor allem unterschiedlichen Altersgruppen näher zu bringen. Wünschenswert wäre das diese Filme im Rahmen von Schulprojekten oder in den Vereine der Kommune entstehen, um den regionalen Bezug herzustellen. Da die Videos dann eben nicht professionell erstellt wurden, kommen diese meist sehr gut an. Diese Möglichkeit erfordert nahezu keine finanziellen Ressourcen und kann deshalb in jeder Kommune umgesetzt werden.