Biodiversität - eine Herausforderung für jeden

23.07.2020

Biodiversität, Artenvielfalt und der Verlust natürlicher Habitate lösen im Berufsstand der Landwirte, der Gesellschaft und im politischen Umfeld zunehmend heftige und teils emotionale Diskussionen aus. Aus heutiger Sicht sind viele Fragen zur sachlichen Einordnung der Thematik ungeklärt. Jedoch wird klar, dass die Aufgabe vielschichtig ist und die Landwirtschaft nicht als alleiniger Verursacher ausgemacht werden kann. Auch die Nutzung öffentlicher Flächen sowie Gestaltung von Ausgleichsflächen und Privatgärten können hier maßgeblich zur Erhöhung der Artenvielfalt beitragen. Innerhalb der Landwirtschaft ist man hinsichtlich der Biodiversität sowohl in der konventionellen als auch ökologischen Produktion geteilter Meinung. Denn aus heutiger Sicht können beide Produktionssysteme die Anforderungen einer biodiversen Landnutzung nicht vollumfänglich erfüllen. Mit dem vergleichenden Ansatz zwischen ökologischer und konventioneller Landnutzung wird momentan eine Biodiversitätsstrategie an den Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf erarbeitet und mögliche Umsetzungsstrategien auf den landwirtschaftlichen Flächen des Bezirk Mittelfranken und bei der Justizvollzugsanstalt Lichtenau getestet und öffentlichkeitswirksam dargestellt. Rückblickend konnten aber auch in den vergangenen Jahren wichtige Akzente zum Thema Biodiversität gesetzt werden, dazu zählen das Pomoretum, die gezielte Anlage von Ökokonten auf bezirkseigenen Flächen, die flächige Ansaat von Blüh- und Trachtpflanzen sowie die Etablierung von dauerhaften Blühstauden im Zuge eines Bundesforschungsprojektes. Die Erarbeitung und Umsetzung einer Biodiversitätsstrategie für die Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf ist einer wichtiger Schritt, um das Bildungscluster Triesdorf zu stärken und gleichzeitig den Dialog zwischen Gesellschaft und den Landnutzern zu versachlichen. Die konzeptionelle Ausrichtung umfasst dabei folgende Punkte:

  1. ein für Bienen (Wild- und Honigbienen) und weitere Insekten bedarfsgerechtes Nahrungsangebot
  2. Aufzeigen von Defiziten im regionalen Nahrungsangebot bzw. Habitat
  3. Die Entwicklung von Indikatoren die für die Qualität eines regionalen Lebensraums stehen und messbare Lebensraumstandards definiert
  4. Nutzungskompensationen für die Landwirte und öffentliche Träger aufzeigt
  5. Wissenstransfer für Landwirte, Politik und Gesellschaft
  1. Blühflächen an Weg- und Straßenrändern

Das Abräumen von Wegrändern mit Mulchgeräten stand gerade während des Volksbegehrens sehr stark im öffentlichen Fokus. Um auch hier mögliche Lösungssätze, gerade für kommunale Träger, aufzuzeigen wurden gemeinsam mit dem Staatlichen Bauamt Ansbach Flächen in Triesdorf entlang der Staatsstraßen bzw. Radwege mit Blühmischungen eingesät. Damit kann die Verkehrssicherheit gewährleistet und eine „geordnete Unruhe“ entlang der Straßen als Nahrungsquelle und Winterquartier für Insekten geschaffen werden, erklärt Simon Schnell Gärtnermeister LLA Triesdorf. Zusätzlich zur Aussaat von Blühpflanzen werden durch die Anlage von Altgrasstreifen entlang der Straßen Rückzugsorte für Insekten geschaffen.

  1. Projekt Agrobiodiversität – Wechselwirkungen der Landnutzung und Artenvielfalt

Das als Modell- und Demonstrationsvorhaben ausgerichtet Projekt zur Erprobung von Einflüssen auf die Artenvielfalt auf landwirtschaftlichen Nutzflächen wird durch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten im Zeitraum von 01. August 2020 bis 29. Februar 2024 mit einer Summe von 170.000 € gefördert. Die Projektumsetzung erfolgt durch die Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf. Zielsetzung des Projekt ist es: Die Einflüsse von Bewirtschaftungsmaßnahmen auf den konventionellen und ökologischen Flächen des Bezirk Mittelfranken sowie der Justizvollzugsanstalt in Lichtenau zu erproben und gleichzeitig mögliche Umsetzungsstrategie für biodiverse Nutzungskompensationen (Blühflächen, Heckenstrukturen, Maßnahmen zur Förderung von Vögeln in der Agrarlandschaft und Insektenhügel) aufzuzeigen ohne die landwirtschaftliche Urproduktion einzuschränken. Um mögliche Einflüsse der Flächenbewirtschaftung auf die Artenvielfalt erfassen zu können sollen neue digitale Möglichkeiten (Insektenkameras) verstärkt genutzt werden. Mit der Umsetzung des Projektes kann ein wichtiger Beitrag geleistet damit er Beitrag zur Erhaltung bzw. Verbesserung von Artenvielfalt in der Landnutzung, unabhängig der Produktionsform, plakativ dargestellt werden kann.

Die dargestellten Projekte zeigen, dass Aufgrund der Komplexität von Biodiversität und Klimaschutz ein dringender Handlungsbedarf besteht, um hier Lösungsansätze bieten zu können die einen gesellschaftlichen Konsens herbeiführen und gleichzeitig die Produktion von Lebens- und Futtermittel nicht außeracht lassen. In Bezug auf den Pflanzenbau kann die multifaktorielle Nutzung (Lebensmittel, Klima, Biodiversität) des Acker- und Grünlands zukünftig einen wichtigen Beitrag leisten und gleichzeitig eine zusätzliche Wertschöpfung, durch den Handel von CO2 Zertifikaten und die Erbringung von Ökosystemleistungen, für die Landwirtschaft ermöglichen.

(Markus Heinz)