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Biogasanlagen – Spielball des EEG? Klimaschutzziele brauchen regionales Bewusstsein und Fläche

25.01.2019

Die Experten, die am 16.01.19 auf dem 9. Biogastag in Triesdorf diskutierten, forderten, dass der Weg der erneuerbaren Energien weiter verfolgt wird. Die Biogasbranche leiste wichtige Beiträge für die regionale Energieerzeugung und die Erreichung der Klimaschutzziele.

Die Branche stehe vor einer unsicheren Zukunft. Der Wind habe sich buchstäblich gedreht. Zum einen werden im neuen Erneuerbaren Energie Gesetz (EEG) die Förderbedingungen und Anforderungen an die Betreiber von Biogasanlagen neu formuliert; zum andern sind vor allem die Global-Player der Energiekonzerne wenig an der regionalen Erzeugung erneuerbarer Energie interessiert.

Einig sind sich die Fachleute, dass Deutschland die Klimaschutzziele nur mit einer Bündelung und konsequenten Umsetzung verschiedener Maßnahmen erreichen kann. Dabei spielen sektorübergreifende und vernetzte Lösungen eine bedeutende Rolle. Die Erzeugung von Energie in der Region brauche Fläche und wird sichtbar sein.

Dass das ein wunder Punkt für viele ihrer Verbandskollegen ist, weiß Heide Schmidt-Schuh vom Arbeitskreis für erneuerbare Energien im Bund Naturschutz (BN). Die positive Einschätzung regionaler Energieerzeugung habe für viele Bürger ihre Grenzen, wenn sie Maisflächen in ihrer Umgebung wahrnehmen und damit eine intensive Nutzung verbinden. Sie vertrat bei der Fachtagung der Biogasbranche die Meinung, dass für ein Weiterkommen im Klimaschutz das volle Spektrum der erneuerbaren Energien genutzt werden müsse. Der BN Naturschutz setze auf eine konstante Gewinnung von Strom aus Biomasse, jedoch mit angepasstem Nutzungskonzept, u.a. Reduzierung des Maisanteils.

Herr Dr. Pluschke, Geschäftsführer des Forums Klimaschutz und Nachhaltige Entwicklung der Metropolregion Nürnberg wies darauf hin, dass sich die Bürger der Stadt Nürnberger schon vor Fukushima zur Klimawende entschlossen hätten. Doch gerade hier sei die Energieeffizienz kritisch zu beurteilen. Häufig werde in energetisch ineffiziente und kostengünstige Mietbauten investiert. Er sieht jedoch auch positive Entwicklungen und geht davon aus, dass der Anteil erneuerbarer Energien in der Region weiter steigen werde. Durch die Verwertung von Rest- und Abfallstoffen könne man zudem neue Potentiale nutzen. Für ihn sind die Biogasanlagen ein wichtiger Baustein im Maßnahmenpaket zur Bekämpfung des Klimawandels.

Herr Kleedörfer, Bereichsleiter Unternehmensentwicklung der N-ERGIE AG, verdeutlichte das Maßnahmenpacket. Für eine erfolgreiche Energiewende gelte es insgesamt ca. 200 Maßnahmen einzuhalten. Er forderte die Bereitstellung von Flächen zur Erzeugung Erneuerbarer Energien, nicht nur für Biomasse, sondern auch für PV- und Windkraftanlagen. Für die Biogasbranche brauche es zudem politische Lösungen, wie zum Beispiel die finanzielle Belohnung der energiewirtschaftlichen Flexibilität von Biogasanlagen. Auch die Förderung für die Modernisierung und den Ausbau des Gebäudebestands gelte es weiter zu verfolgen.

Herr Dr. da Costa Gomez, Hauptgeschäftsführer des Fachverbands Biogas, erörterte, dass die Bemessungsleistung stagniere. Die Ursache dafür sehe er in der Positionierung von Gesellschaft und Naturschutzverbänden – man habe sich zunehmend kritisch gegenüber der Biogasentwicklung positioniert. Deshalb sei es wichtig, die Aufmerksamkeit auf die positiven Seiten der Branche zu lenken. Durch Biogas werde beispielsweise jährlich ca. 20 Millionen Tonnen CO2 eingespart. Ebenso leiste Biogas durch den Anbau alternativer Energiepflanzen einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt. Und, im Gegensatz zu anderen erneuerbaren Energien, können Biogasanlagen vergleichsweise bedarfsgerecht Strom und Wärme bereitstellen. Um die bestehenden Anlagen weiter betreiben zu können, setze er auf die Weiterentwicklung des EEGs sowie auf verbesserte, politische Rahmenbedingungen. Eine Umstellung des Wärmemarktes auf CO2-effiziente Vergütung sei ebenfalls ein richtiger Schritt für die Energiewende, nicht nur für die Biogasbranche.

Herr Pfänder, Betreiber einer Biogasanlage, bestätigte, dass die Entwicklungen im Bereich Biogas viele positive Folgen bringe. So habe sich beispielsweise die Landnutzung durch Biogas deutlich vervielfältigt. Sein Biogasbetrieb mit Ackerbau und Schweinehaltung könne heute eine deutlich vielfältigere Fruchtfolge aufstellen und auch Wiesengras sinnvoll verwerten. Die Herausforderung sieht Pfänder bei den zunehmenden Anforderungen an Biogasanlagen z.B. Sanierungsarbeiten und Umwallungsauflagen. Gerade bei Anlagen mit begrenzten Restlaufzeiten sind zusätzliche Kosten nicht mehr zu amortisieren. Für die Zukunft müssen die Betriebe auf die Flexibilisierung und günstige Substrate, wie Gülle und Mist, setzen.

Bezirkstagspräsident Armin Kroder bekannte sich in seinem Grußwort zur Energiewende. Der Ausstieg aus Kohle und Erdgas und die Ausrichtung auf erneuerbare Energien stehen für ihn fest. Er forderte ein stärkeres Umdenken in der Gesellschaft. Jeder Verbraucher könne die eigene Energiebilanz und Einsparpotenzial überprüfen.

An der Podiumsdiskussion beteiligten sich neben den Fachleuten auch Politiker der Region. Herr Westphal (CSU) befürchtet, dass die Rahmenbedingungen für die Biogasbranche immer unberechenbarer werden. Er forderte die Branche auf, mit „breiter Brust“ die Vorteile der Biogaserzeugung in der Gesellschaft zu vertreten. Gemeinsam mit Herrn Häusler (Freie Wähler) sicherte er seine Unterstützung zu. Im März werde es im Bayerischen Wirtschaftsministerium eine gesonderte Beratung zu Biogas geben.

Das Bekenntnis aller Akteure zur wichtigen Rolle von Biogas bei der Erreichung der Klimaziele, führte zu einer positiven Stimmung. Die Frage von Herrn Bleisteiner, Leiter der Landmaschinenschule Triesdorf, wie die Bedeutung der Biogasbranche 2030 eingeschätzt werde, beantworteten die Podiumsteilnehmer optimistisch.

Vorträge zum Biogastag:

Aktuelles aus dem Fachverband Teil 1

Aktuelles aus Triesdorf

Aktuelles aus dem Fachverband Teil 2

Klimaschutzziele der Europäischen Metropolregion

Status Quo Anlagenbetreiber

StatusQuo und perspektiven Biogas da Costa Gomez

Wirksamer Klimaschutz - Erfolgreiche Energiewende

Zukunftsperspektive Biogas BUND