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Schutz alter Obstbäume

26.11.2018

 

Es ist ein seltsames Wortkonstrukt, welches das Projekt von Jan Bocheneck in Triesdorf beschreibt: Inwertsetzung von Streuobst klingt nicht schön, hat aber durchaus inhaltlich einen schönen Hintergrund: „Wir möchten Streuobst, so wie es in der Landschaft steht, in den Mittelpunkt des Denkens der Menschen rücken“, sagt Bocheneck. „Alte, ökologisch in unserer intensiv genutzten Kulturlandschaft wertvolle Bestände sollen erhalten bleiben“. Derzeit arbeitet Triesdorf mit den Gemeinden Burgbernheim, Lehrberg und Wendelstein zusammen, um das Projekt umzusetzen.

Seit 1965 sind 70 % der bayerischen Streuobstbestände in Bayern verloren gegangen. Einen besonders großen Boom gab es in den 70ern: „In der Zeit wurde es sogar subventioniert, wenn man die Bäume entfernte und die Fläche in Ackerland umwandelte“. Seitdem hat ein Umdenken eingesetzt, der Gedanke der Nachhaltigkeit und der Regionalität spielt dabei auch eine Rolle. Der Pflegebedarf einer Streuobstwiese ist ein anderer als bei einem Feld, bei dem jährlich neu angesät werden muss. Dabei sind Erhalt und die Aufwertung durch Pflege von besonderer Bedeutung.

Für zwei Jahre wurde dieses Projekt angesetzt und bislang sind 18 Monate verstrichen. Seine Ziele für diese Zeit hat Bocheneck klar definiert und konsequent umgesetzt: „Dazu gehört natürlich der Erhalt der alten Bäume mit seiner Artenvielfalt. Über die Jahrzehnte haben sich solche Bestände zu Hotspots der Biodiversität entwickelt. Viele Tier- und Pflanzenarten leben in diesen Biotopen, die in Neuanpflanzung eine lange Zeit bräuchten, um dort eine passendes Habitat zu finden“.

Neben dem Erhalt steht aber selbstverständlich die Neuanpflanzung auf dem Programm, für die der Triesdorfer Sortenpool die perfekte Basis bildet, nicht nur zur Reiserabgabe, sondern auch als Informationsplattform. Weiterhin gehört es zu Bochenecks Aufgaben auch eine Datenbasis zu erarbeiten. „Dabei überprüfe ich die unterschiedlichsten Regionen, schaue, wie der Bestand ist und plane, wie man ihn Inwertsetzen und damit erhalten kann“. Sein Wunsch wäre die Aufwertung von Streuobstwiesen als Ausgleichsfläche mit entsprechenden Ökopunkten, d.h. dass die Bäume in Ökokonten selbst als Wertpunkte fungieren. „Die Pflege alter Bäume sollte dem Ökokonto gutgeschrieben werden“.

Die bayerische Kompensationsverordnung regelt, welche Maßnahmen, wieviel Ökopunkte bringen. Und dabei hat Burgbernheim laut Verordnung nicht den Vorteil, den es laut seiner Streuobstbestände haben sollte. Hier gibt es einen Baumbestand von ungefähr 30 000 Stück auf 120 Hektar, von denen 60 Hektar im Besitz der Stadt sind. Bei diesen Mengen ist der Pflegaufwand enorm, jedoch ist die Ökopunkte-Bilanz eher gering. „Das Gelände ist gut gepflegt und der Wuchs der Bäume ausgezeichnet, aber für bestehendes Streuobst gibt es eben keine Fördergrundlage“, erklärt Bocheneck. Nun tritt der kuriose Fall ein: „Da es Obstbäume sind, haben sie keinen besonderen Schutzstatus. Erst für die Neuanpflanzung gibt es die erstrebten Ökopunkte. Deswegen möchten wir das Streuobst aufwerten und Inwertsetzen, damit so etwas nicht passiert“.

Bocheneck hofft, dass seine Projektstelle verlängert wird, da es noch viel zu tun gibt. Ein Teil seiner Arbeit ist die Kartierarbeit, er stellt das Alter, die Größe und den Zustand der Bäume fest, welche Tiere in ihm leben und wie der Bestand ist. Daraus entwickelt er ein Maßnahmenpaket, was man tun kann, um Bäume zu erhalten. „Das wissen im Umgang mit Streuobst ist vielen Menschen leider verloren gegangen. Wir erstellen Pläne für die Pflege oder in welchem Abstand Bäume stehen müssen, die Prozentanzahl von jungen und alten, da gibt es viele Parameter, die es zu berücksichtigen gilt“.

Eine Hilfe für die Gemeinden gibt es wieder in Form der Triesdorfer Baumwarte. Wenn Hilfe am Mann ist fungieren sie als Multiplikatoren, um vor Ort weiterhelfen zu können.