Moderne Landwirtschaft - zwischen gefühlten und tatsächlichen Risiken

Dienstag, 13.04.2021
19:00 Uhr

Online

Gesundheitlicher Verbraucherschutz beinhaltet die Erforschung, Bewertung und Kommunikation von Risiken. In diesem Zusammenhang sind es nicht nur die Ergebnisse einer Risikobewertung selbst, die wichtig sind, sondern auch deren öffentliche Wahrnehmung. Häufig zeigt sich dabei eine Diskrepanz zwischen der Risikoabschätzung von Expertinnen und Experten und der Risikowahrnehmung in der Bevölkerung. Das, was gesamtgesellschaftlich als Risiko wahrgenommen wird, entspricht nicht immer dem, was aus naturwissenschaftlicher Sicht tatsächlich ein Risiko darstellt. Menschen überschätzen beispielsweise das gesundheitliche Risiko von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln, während Risiken durch Hygienemängel in der Küche unterschätzt werden. Aus naturwissenschaftlicher Sicht beschreibt ein Risiko die Wahrscheinlichkeit des Eintritts eines Schadens, die maßgeblich vom Gefährdungspotenzial und der Exposition des Menschen abhängig ist. Die Bewertungskriterien von Expertinnen und Experten kontrastieren teilweise mit denen von Laien, die sich in ihrer Risikowahrnehmung eher an Parametern wie Bekanntheit des Risikos, Kontrollierbarkeit, Katastrophenpotenzial, Freiwilligkeit, Schrecklichkeit sowie Unmittelbarkeit orientieren. Gefühlte Risiken entstehen somit, weil Menschen die auf Mathematik und Statistik beruhenden Ergebnisse einer wissenschaftlichen Risikoabschätzung nicht oder falsch verstehen und/oder weil es offensichtlich nicht gelungen ist, sie klar, verständlich und trotzdem differenziert und eindeutig zu kommunizieren. Zugleich leben Menschen in der Illusion, dass bei entsprechendem technologischem und administrativem Aufwand wie beispielsweise umfangreiche staatliche Kontrollen im Lebensmittelbereich Risiken und damit Unsicherheiten vollständig beseitigt werden können. Gefühlte, also nicht wissenschaftlich begründete Risiken gehören zum gesellschaftlichen Leben und prägen das Verhalten der Menschen im Alltag.

Eine offene und verständliche Risikokommunikation, welche die Position der Wissenschaft auf der einen und die Positionen der verschiedenen Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Verbänden, Medien und Nichtregierungsorganisationen auf der anderen Seite in die Diskussion eines Risikos einbezieht, ist hierbei von zentraler Bedeutung.

Referent Dr. Mark Lohmann, Bundesinstitut für Risikobewertung
Fachgruppenleitung Risikosoziologie und Risiko-Nutzen-Beurteilung
Abteilung Risikokommunikation
Berlin

Anmeldung hier

Anmeldung möglich bis 13. April, 12 Uhr - später eingehende Anmeldungen können eventuell nicht mehr berücksichtigt werden!