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Triesdofer Gülletag 2018 – Informationen und Innovationen aus Wissenschaft und Praxis

31.07.2018

Der Gülletag in Triesdorf am 17. Mai 2018 war ausgebucht. Im Alten Reithaus waren alle Plätze besetzt. Norbert Bleisteiner (Leiter des Fachzentrums für Energie und Landtechnik) eröffnete die Veranstaltung und zeigte sich erfreut über den Zuspruch der Teilnehmer, der Hersteller und der Referenten aus Bayern, Baden-Württemberg und Österreich.

Konrad Offenberger von der LfL erläuterte die rechtlichen Rahmenbedingungen von Düngeverordnung bis zur Verbringung von Wirtschaftsdünger. Dabei ging er besonders darauf ein, wie ein Betriebsleiter schrittweise vorzugehen hat. Von der Berechnung aller Wirtschafts- und organischer Dünger, der Düngebedarfsermittlung, Nährstoffvergleiche nach DÜV bis Stoffstrombilanz und Lagerkapazitäten.

Dr. Reiner Ruser, Universität Hohenheim, referierte zu Ammoniak- und Lachgasverlusten bei der Ausbringung von Flüssigmist. Ammoniakemissionen können zum einen durch entsprechende Applikationstechnik und Einarbeitung verringert werden. Im Prinzip ist davon auszugehen, je höher die TS-Gehalte in der Gülle sind und je verdichteter der Boden, desto höher sind die Ammoniakverluste. Die Lachgaskonzentration ist, in seinen Augen, ein bisher vernachlässigtes Thema. Zu bedenken gibt er, dass gerade bei Lachgas der Fokus auf der Landwirtschaft liege. Denn der größte Anteil der Lachgasemissionen komme aus der Landwirtschaft. Schon die Düngung an sich fördert die Lachgasemission. Zu größerer Freisetzung kommt es besonders bei Böden, die erhöhte Nmin-Gehalte, höhere Kohlenstoffverfügbarkeit, zunehmende Bodenverdichtungen und höheren Wassergehalt aufweisen. Ein Augenmerk ist darauf zu legen, dass 50% der N2O Emissionen außerhalb der Vegetationsperiode abgegeben werden. Dr. Ruser zeigte verschiedene Möglichkeit der Reduktion von Lachgasemissionen bei der Ausbringung von Wirtschaftsdüngern auf: Breitflächige Einarbeitung; Ansäuern, Injektion oder Verdünnen der Gülle, Beachtung der Witterungsverhältnisse, Schleppschlauch und Schleppschuh, aber auch den Einsatz von Nitrifikationshemmer.

Stickstoffverluste und Futterverschmutzung standen bei Alfred Pöllinger, von der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft Raumberg-Grumpenstein im Mittelpunkt. Er brachte Erfahrungen und Untersuchungsergebnisse aus Österreich in die Diskussion ein. Dort wird noch weit überwiegend mit Pralltellern und Pendelverteiler gearbeitet. Nur knapp 13 % der Wirtschaftsdünger werden bodennah ausgebracht. Bei Schleppschlauchausbringung sieht Pöllinger die Gefahr, dass die Gülle noch relativ lange „oben aufliegt“ und Ammoniak entweicht. Er appellierte an die Zuhörer, sich mehr mit der Gülleapplikation zu beschäftigen. Klar ist, dass die Futterverschmutzung stark von der Güllesubstanz abhängt. Nur mit der Schleppschuhverteilung könne man, nach Pöllinger, zukünftig „Güllefenster“ öffnen.

Praxiserfahrungen aus dem Lehr- und Versuchsbetrieb Triesdorf, brachte Markus Heinz (Leiter Pflanzenbau, Triesdorf) ein. Er vertritt die Ansicht, dass es einer vernünftige Phosphorstrategie für den Maisanbau bedarf. Es gelte Phosphorfrachten im Anbau zu reduzieren. Im Lehr- und Versuchsbetrieb wurden mit den Verfahren Unterfußdüngung und Saatbanddüngung Versuche im Maisanbau durchgeführt. Technisch ist die Saatbanddüngung mit Mikrogranulat einfach zu bewerkstelligen. Bei der Saatbandüngung ergänzt ein Mikrogranulatbehälter jeweils 2 Säaggregate. Bereits mit ca. 20 kg/ha Mikrogranulat ist, im Vergleich zur Nullvariante, eine Ertragserhöhung von ca. 8 % möglich. Für Markus Heinz ist es klar, Mikrogranulate zeigen positive Effekte in der Jugendentwicklung und konnten in Triesdorf im Hinblick auf die Erträge mit den Unterfuß-Varianten mithalten. Bei Mais der oft mit hohem Wirtschaftsdünger bedacht wird oder auf gut versorgten Böden, stellt der Einsatz von Mikrogranulaten eine mögliche Alternative dar, um den Phosphorüberschuss im Gesamtbetrieb zu reduzieren. Vorteile sieht er in der einfachen Düngerlogistik und in der Reduzierung von Einsatzgewichten bei größeren Arbeitsbreiten.

Zur Diskussion bat Norbert Bleisteiner, neben den Referenten, zwei Praktiker, Heiko Götz und Andreas Vöst, sowie Franz Helmle (Experte für Gülletechnik am FEL) aufs Podium.

Heiko Götz (Schweinehalter, Biogas-Betreiber und Lohnunternehmer) verfolgt in seinem Betrieb das Ziel, die Phosphor-Frachten in den Griff zu bekommen. Für ihn schlecht nachvollziehbar ist, dass der N-Faktor 1,25 bei Milchviehbetrieben, nicht jedoch auf Gärrest aus Biogasanlagen angewendet werden darf. Herr Offenberger (LfL) erläuterte, dass die, ab 2013 verpflichtende, Stoffstrombilanz für alle Betrieb vergleichbare Faktoren bringen werde. Andreas Vöst (Studierender der Technikerschule Triesdorf und Milchviehhalter) sieht bei der neuen Düngevorordnung vor allem bei den Ausbringfenstern für Gülle auf Grünland Probleme, hat sich aber darauf eingestellt und entsprechende Anpassungen getroffen.

Auf die Frage nach den konkreten Auswirkungen der Düngeverordnung erläuterte Markus Heinz, dass die Umstellung vor allem die Grünlandbewirtschaftung und die Futtergewinnung betreffe. Auf den Triesdorfer Grünlandflächen wird ab diesem Jahr nach dem 4. Schnitt auf Gülleausbringung verzichtet und Mineraldünger eingesetzt. Im Maisanbau kommen Mikrogranulate zum Einsatz. Hohe Bedeutung hat seiner Meinung nach, die Erstellung einer Düngebilanz. Hier gilt es zu ermitteln, ob der Betrieb in der Lage ist, die gesamte Güllemenge regelkonform auszubringen.

Auf die Frage von Herrn Bleisteiner, was die Derogation auf Grünland bringe, erwiderte Herr Offenberger, dass Grünland möglicherweise 230-250 kg Stickstoff gut verwerten könne. Man wolle jetzt noch die EU-Entscheidung abwarten und dann Ausnahmeregelungen beantragen.

Franz Helme (FEL) sieht eine steigende Nachfrage nach hohen Arbeitsbreiten. Problematisch bewertet er, dass dabei die Gewichte der Gespanne unterschätzt werden. Er forderte, erst zu klären, ob die Planung und Bilanzen passen und im nächsten Schritt mögliche Erneuerungen bei Technik und Investitionen zu rechnen.

Alfred Pöllinger bekräftigte nochmals, um den NEC Zielen gerecht zu werden, sei es erforderlich, mehr Wirtschaftsdünger bodennah auszubringen und möglichst einzuarbeiten.

Fazit der Diskussion war, dass noch viele Akteure bei der Umsetzung der Düngeverordnung mit sich hadern, Probleme mit Softwareprogrammen und Plausibilität der Berechnungen haben oder im Praxis-Alltag bei der Umsetzung herausgefordert werden. Einigkeit besteht darin, dass die Uhren in Bayern glücklicherweise noch anders gehen – Landwirte in anderen Bundesländern haben mit „schärferen Bedingungen“ zu wirtschaften.

Da es ist in der Woche vor der Veranstaltung in Triesdorf stark geregnet hatte war der praktische Einsatz der Gülletechnik im zweiten Veranstaltungsteil anzupassen. Am Nachmittag verfolgten noch mehr Teilnehmer den Praxisvorführungen auf der Wiese. Die Optionen zur Gülleausbringung auf dem Acker wurden von den Herstellern direkt an den Geräten und Maschine auf dem Ausstellunggelände erläutert. In Triesdorf wurde Technik gezeigt, die in der Güllebranche Maßstäbe setzt. Die Vielfalt der technischen Möglichkeiten und das Konzept begeisterte Aussteller und Besucher gleicher maßen. Annette