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Hinter verschlossenen Türen tut sich etwas

27.03.2017

Seit es den überdachten Auslauf im Schweinebereich gibt, gammeln gemütlich zahlreiche Sauen im Freien vor sich hin. So wohlig wonniglich geht es bei den Mitarbeitern nicht zu, denn sie arbeiten stets daran, die Triesdorfer Schweinehaltung zu optimieren und das Tierwohl zu erhöhen. Landwirtschaftsmeister Roberto Kurth nahm sich die Zeit, alle Neuerungen zusammenzufassen.

Was ist die Initiative Tierwohl?

Roberto Kurth: Bei der Initiative Tierwohl erhalten Tierhalter für die Umsetzung von Tierwohlmaßnahmen finanziellen Ausgleich. Das Geld stammt von Unternehmen, die pro verkauftem Kilogramm Schweine- und Geflügelfleisch und -wurst 4 Cent an die Initiative ab führen. Damit wird die Initiative Tierwohl vom teilnehmenden Lebensmitteleinzelhandel finanziert. Beworben haben wir uns bei dieser Initiative schon 2015, aber erst seit dem 1. März sind wir dabei. Am Anfang befanden wir uns auf Platz 711 auf der Warteliste, doch nun hat der Handel mehr Geld bereitgestellt und wir sind Nachrücker. Wir setzen in Triesdorf fünf verschiedene Kriterien um: Wir bieten 10% mehr Platz für Sauen, die Sauen dürfen aus einer offenen Tränke saufen und sie haben mit Jute und Stroh organisches Nestmaterial. Zudem bieten wir den Sauen jederzeit Zugang zu organischem Beschäftigungsmaterial und wir haben uns verpflichtet, ihnen mindestens vier Wochen Säugezeit zu geben.

Was tut ihr für die Sauengesundheit?

Roberto Kurth: Unser Ziel ist es, in 18 Monaten auf E. coli resistente Tiere im Schweinebereich umgestellt zu haben. In der Schweiz gibt es Tiere, die haben diese Krankheit nicht, da sie ein Gen besitzen, das verhindert, dass sich gewisse Bakterien an die Darmwand anhaften können. Da wurde nichts genetisch verändert, nur weitergezüchtet. Wir wollen natürlich mitmachen, weil die Tiere so weniger krankheitsanfällig sind. Bei uns werden nur noch resistente Tiere gedeckt, nach der kompletten Umstellung können wir die Tiere an Bio-Betriebe abgeben, natürlich auch an konventionelle.

Wie sind die Sauen aufgestallt?

Roberto Kurth: Im Warte- und Deckstall wurde der Tierkomfort erhöht. Die Tiere werden nicht mehr in einen Kastenstand eingesperrt, sondern im Deckbereich teilen sich 6 Sauen eine WG. Sie leben in einer drei-Flächenbucht mit gesonderten Plätzen zum Schlafen, Koten und Fressen. Im Schlafzimmer ist mit Stroh eingestreut, auf der Lauffläche zum Koten mit Sägespänen. Dabei haben die Sauen jederzeit Zugang zu so viel Silomais wie sie wünschen. Im Wartebereich leben seit 1989 64 Sauen in Gruppenhaltung zusammen. Sie teilen sich eine Abrufstation zum Fressen. Zudem haben sie einen Auslauf mit Überdachung, insgesamt steht jeder Sau fast vier Quadratmeter Fläche zur Verfügung. Ebenso wurden mehr Lichtfenster eingebaut, so dass die Sauen noch mehr natürliches Licht bekommen.

Wie wird das Abferkeln gestaltet?

Roberto Kurth: Im Jahr 2009 haben wir angefangen, Bewegungsbuchten im Abferkelstall einzubauen. Mittlerweise haben wir bereits drei Kammern von sechs auf Bewegungsbuchten umgestellt. Jedes Mal wurde eine Variante eines anderen Herstellers genommen. Nun sind über die Hälfte aller Buchten Bewegungsbuchten und die Sauen werden nur noch 2 bis 7 Tage im Kastenstand gehalten. Die Sau kann sich jetzt ungehindert auf- und ablegen. Für die Ferkel haben wir organisches Spielzeug – Holzknüppel – und Beißringe aus Plastik.

Welche Planungen gibt es für die Zukunft?

Roberto Kurth: Aktuell sucht das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft bundesweit Netzwerkbetriebe, die innovative tierschutzrelevante Maßnahmen zur Verbesserung der Haltungsbedingungen von Sauen bieten. Es ist geplant, dass die Triesdorfer Sauenhaltung zusammen mit ca. fünf bis zehn Betrieben Teil dieses bundesweiten Netzwerkes wird. Als Wissensdrehscheibe sollen diese Betriebe dann Veranstaltungen für interessierte Landwirte und Fachpublikum mit dem Ziel durchführen, die praktische Umsetzung der Tierschutzmaßnahmen aufzuzeigen, Erfahrungen auszutauschen und nach außen zu tragen. Langfristig sollen die Maßnahmen mehr Landwirte ermutigen, die nachweislich praktikablen Wege für mehr Tierschutz und Tierwohl zu gehen.