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Der neue Melkroboter liefert ein großes Milchbild

19.04.2018

Ruhe, das ist es, was das Triesdorfer Milchgewinnungszentrum ausmacht. Aus dem Stall selbst hört man gelegentlich ein vereinzeltes Plätschern. Das auffälligste Geräusch kommt von draußen, wenn ein Auto vorbeifährt. Zwischendrin hört man aber vom Melkroboterstall ein Brummen - der neue Melkroboter Lely Astronaut, der seine Arbeit verrichtet. Das alte Modell von GEA MIOne entsprach nach fast sieben Jahren nicht mehr den neuesten Standards und konnte nicht mehr nachgerüstet werden, daher wurde er ausgetauscht, um die Triesdorfer Lehrgangsteilnehmer mit neuester Technik zu unterrichten. Nach einer Ausschreibung erhielt die Firma Lely mit dem Astronaut A4 den Zuschlag. Das neue Gerät ist auf sechs Jahre gemietet, dann ist wieder eine neue Ausschreibung geplant.

So ruhig wie im Moment ging es die letzten Monate im Milchgewinnungszentrum allerdings nicht zu. Denn der Austausch des Roboters musste während des laufenden Betriebs erfolgen, da die alte Anlage komplett ausgelastet war. Deshalb wurde der neue Roboter zuerst fünf Meter vor seinem eigentlichen Platz installiert und die anderen Arbeiten im Hintergrund verrichtet. Dann ging er am 16. August 2017 in Betrieb. Die Kühe ließen sich das gut gefallen, der Umstellungsstress war erfreulicherweise sehr gering und die Milchleistungen schwankten in den ersten Tagen überraschenderweise nicht zwischen altem und neuem Roboter.

Der alte Roboter und der Milchtank wurden ausgebaut, die Elektronik wurde vorbereitet und ein neues Fundament gelegt, um keinen Stillstand zu haben. „Die Bauphase brachte natürlich Unruhe in den Stall, jetzt ist es schön, dass wieder die für die Kühe so wichtige Ruhe einkehrt. Großen Dank an alle Beteiligten vom Liegenschaftsreferat, von der Firma Lely, von den Handwerkern und der Triesdorfer Mannschaft für den gelungenen Wechsel“. sagt Uwe Mohr, Leiter der Tierhaltungsschule.

Der neue Melkroboter bietet verschiedene Vorteile. Die Schüler können mit Tablets alle Kennzahlen im Unterricht herausholen und damit tiefer ins Herdenmanagement einsteigen. Auch die Kühe profitieren direkt davon: „Für sie ist die Melkbox angenehmer, die Kuh steht frei, es ist eine offene lichtdurchflutete Melkbox, neue Kühe kommen schneller selbstständig zum Melken“, freut sich Thomas Bauer, Herdenmanager im MGZ.

Natürlich ahnen die Kühe nicht, dass sie bei jedem Melkvorgang einem genauen Gesundheitscheck unterzogen werden. Viele Sensoren sind im Melkroboter verbaut, die die Kuh komplett durchleuchten. Dies sind zwei Kuhnavis, ein Wiederkau- und Bewegungssensor, verschiedene Sensoren für Milchparameter wie zum Beispiel Inhaltsstoffe, Leitfähigkeit, Farben, Temperatur und Zellgehalt sowie das Kuhgewicht. Und alle diese Daten sind in einem Herdenmanagementsystem miteinander vernetzt – Milchviehhaltung 4.0.

„Wir haben jetzt ein deutlich engeres Netz, um festzustellen, wie es der Kuh geht“, berichtet Thomas Bauer, Herdenmanager im MGZ. „In der Rinderhaltung ist das ein Quantensprung. Es gibt nachts weniger Störungen und man kann sich besser auf die Tiere konzentrieren, deren Aktivität geringer wird oder bei denen etwas mit der Milch nicht stimmt. Wir haben jetzt eine Krankheitsfrüherkennung, die uns viel früher und genauer mitteilt, was los ist“.

Das ist auch in Zahlen messbar: Früher waren es 20 % der Kühe, bei denen eine Auffälligkeit festgestellt wurde und deshalb erhöhter Aufmerksamkeit bedurften. Allerdings waren die Sensoren deutlich unspezifischer und oft falscher Alarm. „Der neue Roboter ist viel konkreter und umfassender, man muss sich um weniger Tiere genau kümmern und kann deshalb gezielter arbeiten, am Ende des Tages hat man mehr Gewissheit, dass alles ok ist“, sagt Bauer. „Der alte Roboter konnte hauptsächlich melken, der neue schaut sich die Kuh im Ganzen an“.

Ganz abgeschlossen ist die Maßnahme noch nicht: An den Ausgang des Melkroboters wird ein Selektionsstand angebaut, in den die Kühe direkt nach dem Melken geleitet und behandelt werden können; früher musste man sie aus der Herde einfangen. Zudem kommen ein Sensor zur Analyse der Fresszeiten sowie die Möglichkeit zum Weidegang dazu.

Der neue Mikrodosierer für Sonderfuttermittel wurde bereits eingebaut, um beispielsweise bei Hochleistungskühen den Mineralstoffbedarf besser zu decken. Dadurch ergeben sich neue Möglichkeiten der Versuchsführung, denn man kann jetzt flüssige Futterkomponenten zuführen.

Alles in allem ist Uwe Mohr sehr zufrieden mit dem Melkroboterstall: „Der Stall ist nun so konzipiert, dass auch eine arbeitswirtschaftliche Erleichterung erfolgt ist. Durch die neuen ferngesteuerten Tore kann man Kühe leichter separieren oder gezielt holen, früher gab es dazu schwere Eisengatter“.

Und für die Zahlenfreunde: Die Milchleistung konnte trotz Baustelle und damit verbundener Unruhe auf einem Niveau von über 10.000 kg Milch je Kuh und Jahr gehalten werden.