Effizienzsteigerung beim Schleppereinsatz

Praxisversuche der Landmaschinenschule in Triesdorf in Verbindung mit der Ausbildung der Fachkraft Agrarservice in Zusammenarbeit mit den Firmen Claas, Horsch, Väderstad, Lemken und Bauwesta!

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 Bild1: Auszubildende Fachkraft Agrarservice mit den Claas Traktoren

 

Die Landmaschinenschule in Triesdorf (in Mittelfranken/Bayern) verfügt mit 15 beheizbaren Hallen und 10 Lehrkräften über ideale Bedingungen, um praxisnah Landwirte und Landmaschinenmechaniker auszubilden. Ergänzend werden umfangreiche Praxisversuche und Demonstrationstage für Praktiker angeboten.

Als einziger Standort in Süddeutschland wird in Triesdorf, zusammen mit der Berufschule, seit dem Schuljahr 2009/2010 der Ausbildungsgang „Fachkraft Agrarservice“ angeboten. Dieser dreijährige Ausbildungsgang wurde vom Bundesverband der Lohnunternehmer initiiert und konzipiert.

Die Schüler der 11 Klasse des Ausbildungsgangs (Bild1) bekommen an der Landmaschinenschule eine praxisnahe landtechnische Ausbildung mit einer starken Vernetzung zu produktionstechnischen Grundlagen der Landwirtschaft. Im Rahmen einer einwöchigen überbetrieblichen Ausbildung stand das Thema: „Effizienzsteigerung beim Schleppereinsatz“ auf dem Programm.

Nachdem den Schülern in vorangegangenen Lehreinheiten die notwendigen Grundkenntnissen im Bereich Schleppertechnik und Bodenbearbeitungstechnik vermittelt wurden, war es Ziel der überbetrieblichen Maßnahme, diese Kenntnisse nicht nur theoretisch, sondern auch im Praxiseinsatz anzuwenden.

Mit der Firma Claas konnte ein Traktorenhersteller für die Unterstützung dieser Ausbildung begeistert werden, der zwei unterschiedliche Traktorenkonzepte im Programm hat. Toni Hagl als Ansprechpartner bei der Firma Claas scheute keine Mühen, um die Maßnahme zu unterstützen. Es wurde ein Claas Axion 840 C-Matic als Standardschlepper und ein Claas Xerion 3800 als Trac-Schlepper zur Verfügung gestellt.

Primäres Ziel der Ausbildungswoche war es Praxisversuche anzustellen, die die Einsparpotenziale beim Schleppereinsatz (vor allem beim Kraftstoffverbrauch) bei der Bodenbearbeitung aufzuzeigen. Diese Einsparpotenziale sind den Schülern grundsätzlich bekannt, jedoch wird ein nachhaltiger Ausbildungseffekt nur dann erreicht, wenn sie mit eigenen Messungen plakativ die Effekte ermitteln.

Die für den Bodenbearbeitungseinsatz notwendigen Anbaugeräte wurden von den Firmen Horsch, Lemken, Väderstad und Bauwesta gestellt. Zum Einsatz kamen vierbalkige Schwergrubber mit Arbeitsbreiten von 3 – 5 Metern. Von der Firma PTG wurde uns zusätzlich ein Reifendruckset „ Airbooster“ zur Verfügung gestellt.

Ein ausreichend großes Versuchsfeld von Herrn Richard Denndörfer konnte bearbeitet werden.

Die verantwortlichen Lehrkräfte der Landmaschinenschule in Triesdorf Franz Helmle und Markus Steinbauer wurden dabei mit Rat und Tat von Fachkräften der Fa. Claas unterstützt. Martin Dingmann und Johannes Alkhofer waren in der gesamten Woche dabei und trugen damit wesentlich zum Erfolg der Maßnahme bei. Zeitweise war auch Matthias Schöllmann aktiv. Der intensive fachliche Austausch der Triesdorfer Lehrkräfte und der Fachleute der Fa. Claas wurde von allen sehr geschätzt.

Nachdem den Schülern die Zielsetzung dieser Maßnahmen erläutert wurde, erarbeiteten die Schüler Möglichkeiten, die Effizienz des Ackerschleppers zu steigern.

Primär sollte der Einfluss

  • einer drehzahloptimierten Fahrweise,
  • eines angepassten Reifendrucks und
  • eines variablen Ballastierungskonzeptes

auf den Kraftstoffverbrauch ermittelt werden.

 

Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse:

 

Die Schüler konnten haben sich bei der Zusammenstellung der Ergebnisse auf die Kraftstoffeinsparung beschränkt. Anhand der o. a. Versuchsbeschreibung können die Einstellung- bzw. Ballastierungsvarianten den Versuchsergebnissen zugeordnet werden.

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Abbildung 1: Kraftstoffeinsparung in % beim Einsatz des Claas Axion mit dem Väderstad TopDown 400

 

Im Vergleich zur „Grundeinstellung“ des Claas Axion 840 C-Matic (ohne Ballastierung, mit Straßenluftdruck, ohne Motordrückung) konnte bei entsprechender Motordrückung, einem angepassten Reifendruck und angepasster Frontballastierung bis zu 30 % Kraftstoff eingespart werden.

Gleichzeitig konnte der Schlupf auf die Hälfte reduziert und somit die Flächenleistung um 6,5 % gesteigert werden. Umgerechnet auf einen Arbeitstag mit 10 Stunden Arbeitszeit können so über 100 l Diesel je Tag eingespart werden. Bei einem aktuellen Dieselpreis von ca. 1,20 €/l errechnet sich eine Kostenvorteil von 120 €/Tag. Hierbei wurde nur der Kraftstoff betrachtet – eine Arbeitszeiteinsparung bzw. eine Reduzierung des Verschleißes ist dabei nicht berücksichtigt. Dieses enorme Einsparpotenzial hat großes Erstaunen bei den Schülern hervorgerufen.

 

Ein ähnliches Ergebnis konnte auch beim Claas Xerion gemessen werden.

Auch hier waren z. T. ohne viel Mehraufwand im Vergleich zur Grundeinstellung, Einsparungen bis zu 30% möglich.

 

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Abbildung 2: Kraftstoffeinsparung in % beim Einsatz des Claas Xerion und dem Horsch Tiger 5 LT

 

Das größte Einsparpotenzial wurde beim Einsatz des Xerion vor dem Horsch Tiger 5 LT durch eine angepasste Motordrückung, einem Verzicht auf Frontballastierung und einem reduziertem Luftdruck erzielt.

Beim Anbau von Frontgewichten verschlechterte sich das Ergebnis, da unnötiges Mehrgewicht bewegt werden muss, was Kraftstoff benötigt. Bei extrem schweren Böden bzw. schwierigeren Bedingungen kann sich das Ergebnis verändern – die grundlegende Aussage bleibt bestehen, da der Trac-Schlepper vorne schwerer ist Eine optimale Zug-Kraft-Verteilung von 50 % vorn und 50 % hinten wird dann auch ohne Ballastierung erreicht.

Die Schüler stellten aber auch fest, dass für ein angepasstes Ballastierungskonzept verschiedene Gewichte auf den Betrieben vorhanden sein müssen. Die Schüler bestätigten aber, dass auf ihren Betrieben überwiegend nur ein Gewicht vorhanden ist. Nach Aussage der Schüler hat diese Woche einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Sie schätzten besonders, dass sie mit modernsten Maschinen umfassend praktisch arbeiten konnten. Der Nutzen für ihre Ausbildungsbetriebe kann sich sehr schnell in reduzierten Treibstoffkosten bemessen.

 

Unser besonderer Dank geht an alle beteiligten Firmen. Ohne die großzügige Unterstützung wären solche Maßnahmen für eine Landmaschinenschule nicht umzusetzen.

Nachfolgend alle Firmen und Personen die uns unterstützt haben:

-          Firma Claas für die intensive Unterstützung mit Menpower und Technik, hier besonders bei Herrn Toni Hagl, Martin Dingmann, Johannes Alkhofer, Hannes Schöllmann, Klaus Frankenberger und Franz-Xaver Sengmüller

-          bei der Firma Horsch   Herrn Christian Wolf,

-          bei der Firma Väderstad Herrn Peter Sauer

-          bei der Firma Lemken, Herrn Jörg Markus Kreher

-          bei der Firma Profiagrartechnik ,Herrn Mantel

-          bei der Firma Samson, hier besonders Herrn Jan Strykowski

-          bei Herr Friedrich Appold und Herrn Richard Dennhöfer