Neues Energiepflanzenprojekt gestartet

Nach dreijährigen Versuchen mit verschiedenen Energiepflanzen in Triesdorf haben sich Gräser, die auch bei kühleren Temperaturen produktiv sind, sog. C3-Gräser, als Dauerkulturen als besonders leistungsstark herausgestellt.

Aufgrund dieser Datenbasis hat die Saatzucht die Bewilligung für ein Bundesprojekt zur Erprobung alternativer, trockentoleranter Energiegräser erhalten. Das Projekt hat im Februar begonnen und hat eine Laufzeit von drei Jahren. Es besteht aus drei Bereichen:

  • Erprobung von 20 C3-Grassorten, deren Trockentoleranz und energetische Leistung in der Biogasproduktion, auch Rohrschwingel, Knaulgras etc.
  • Produktionsversuche mit dem bisher leistungsstärksten Vertreter, dem Riesenweizengras „Szarvasi 1“, mit zehn Schnitt- und Düngungsvarianten
  • Auswertung und Beratung von ausgewählten Praxisflächen und deren Ertragserfassung, verteilt auf das gesamte Bundesgebiet. Hier werden alle Anbauerfahrungen einschließlich der Praxiserträge ausgewertet und Anbauhinweise erstellt. 

Die Basis für die Energiepflanzenversuche sind folgende: 

  • Suche nach trockenholden Pflanzenarten
  • Mais spielt eine zu dominierende Rolle
  • Gesellschaftliche Akzeptanz für Mais schwindet
  • Gefahr von Versorgungsengpässen durch Kalamitäten bei Mais
  • Pflanzen für Standorte, für die Mais weniger geeignet ist
  • Erprobung von echten Alternativen zu den bisherigen Kulturen
  • Derzeit nicht genutzte Dauerkulturen als Hauptfrucht

Unter den Energiepflanzen wird seit drei Jahren das Ungarische Energiegras „Szarvasi 1“ (Art. Elymus elongatus) untersucht. Dieses Riesenweizengras hat in den bisherigen Versuchsparzellen über drei Jahre hinweg vielversprechende Ergebnisse erzielt:

  

Erträge in t/ha:

2009

2010

2011

Mais

14,8

16,0

18,5

Szarvasi 1

19,3

18,5

17,6

 

Die Maiserträge wurden aus dem Praxisanbau der LLA gewonnen. Die Trockenmasse lag bei beiden Pflanzen bei etwa 30 – 33 %. Zu den leicht nachlassenden Erträgen bei Szarvasi 1 ist zu bemerken, dass in den drei Erntejahren ausschließlich Stickstoff, jedoch keine Kalidüngung ausgebracht wurde.

Aufgrund der Ertragsleistungen und einer Methanausbeute, die nach bisherigen Untersuchungsergebnissen dem Mais überlegen ist, ist das Riesenweizengras „Szarvasi 1“ eine interessante Alternative zu Mais. Die Veröffentlichung der Ertragsleistungen von Szarvasi 1 in Triesdorf ist auf vielfaches Interesse im gesamten Bundesgebiet gestoßen. Nach Informationen des Saatguthandels ist 2011 Saatgut für die Aussaat von ca. 3000 ha Riesenweizengas verkauft worden. Weitere gezüchtete Marktsorten sind vorhanden. Sie werden jedoch erst jetzt in die Triesdorfer Versuche aufgenommen.

Neben der relativ guten Trockentoleranz dieses Riesenweizengrases wird in Fachartikeln wiederholt von seiner hohe Frosthärte berichtet. Die als Folge des vergangenen strengen Frostes aufgetretenen Auswinterungsschäden bei Wintersaaten sind beim Energiegras „Szarvasi 1“ nicht aufgetreten.

Das angelaufene Forschungsprojekt wird von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) gefördert. Sie ist Projektträgerin des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) und unterstützt Aktivitäten zu nachwachsenden Rohstoffen von der Forschung bis zur Markteinführung und die Öffentlichkeitsarbeit. Auf Basis des Forschungsprojekts wurden ein Agraringenieur und einem Techniker (TZ) eingestellt.

Derzeit ist eine Kostenvergleichsrechnung des Riesenweizengrases Szarvasi 1 in Bearbeitung. Sie wird zusammen mit den neuesten Erkenntnissen auf dem Triesdorfer Energiepflanzentag am 12. Juli dieses Jahres vorgestellt. (Info: www.triesdorf.de --à Veranstaltungen --à Thementage).

Information und Kontakt über Tel.-Nr.: 09826-18-4002 und E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Herbert Geißendörfer, Leiter Abteilung Pflanzenbau und Versuchswesen

energie12 

Mit Interesse folgten die zahlreichen Besucher den Ausführungen von Herbert Geißendörfer bei der Führung durch die Energiepflanzenversuche am Energiepflanzentag 2011.